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Treptow
Das ist bei uns. Man kann es lieben. Notärzte kommen und gehen auf die schrägliegende Baustelle. Nicht jeder hat alles dabei und ruft den nächsten in die zweite Spur. Der Bus bleibt in der Müllabfuhr stecken. Lachen Sie nicht, lachen Sie nicht. Drei Ambulanzen fahren gleichzeitig vorbei, für eine verkehrsberuhigte Zone sind das sehr viele.
In: lauter niemand. Berliner Zeitschrift für Lyrik und Prosa. Jahrgang 2007, Ausgabe 8. Herausgeber und Redaktion: Adrijana Bohocki, Ernesto Castillo, Isabel Cole.
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Selbstgespräch nach Kafka
These/Anklage/Verdacht: Der Strang, an dem die Handelnde sich aufhängen wird, ist gleichbedeutend mit ihrem Wunsch nach Sicherheit.
Beweis/Führung/Spruch: Die Unabhängigkeit der Gerichte war ihr stets ein letzter Trost gewesen. Sie vertraute darauf, sich vor ihnen auf die Rechtmäßigkeit ihres Handelns berufen zu können.
Aber wie war das möglich? War ihr Handeln denn rechtmäßig, wie sie selbst überzeugt war? Fand es doch in einem ganz und gar anderen, in einem von Grund auf rechtsfreien Raum statt (dem gesellschaftlichen), in den das Gericht zwar einzugreifen versuchte, aber niemals notwendig und von sich aus, sondern stets erst nach einer Anklage, welche aus Kränkung oder niedriger Gesinnung angeregt und von parteilichen Stellvertretern vorgetragen wurde. Konnte so jemals Recht entstehen? Konnte dort Recht werden, Recht gesprochen werden, wo ursprünglich nur Parteilichkeit herrschte?
In: Inskriptionen Nr.1. denkporno. Leipzig, Erata 2008. (Auswahl aus dem Internetforum des Verlages)
Das Nashorn in der Garderobe
Manchmal kann man nur einfach immer tiefer hinein das Gefühl ohne Hände und Füße die Haare wie sitzen die heute eigentlich gut obwohl frisch gewaschen fettig klebt jedes einzelne besser wie ein Helm diese Frisur
Aber manchmal kann man einfach nur immer tiefer hinein in die Dielen das ist schade mit der Frisur du läufst herum und sitzt auf dem Sofa verbrenn dich nicht hier am Ofen ist ohne den Ofen schon mal ein Nachttopf eingefroren
Noch mal den Nacken bitte ein bisschen das tut gut jetzt kommt auch endlich etwas Nervosität ich bin mir nicht sicher ob die Haltungen sind so artifiziell irgendwie keine Situationen ich spüre rein gar nichts kein Wo kein Wann kein mit Wem ja das geht mir genauso doch das wird hier so gemacht Stil des Hauses Lebendpapier quasi spielfrei aber weißt du mit Lebendpapier kommst du über die Runden soll ich noch weiter ein bisschen ist gut ja ist gut ja es gibt doch Nagellack fällt mir da ein eine Laufmasche ganz oben zum Glück glücklich bin ich hinterher
fünf sind von mir da die sitzen auch vorn
das ist gut
das ist gut
In: Konzepte. Literatur zur Zeit. Nr. 23/ 2003. Herausgegeben vom Bundesverband junger Autoren. Redaktion: Martin Gülich, Ulrike Keck, Markus Orths (v.i.S.d.P.), Crauss, Christine Langer.
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Elena (Auszug aus einem unveröffentlichten Roman)
Was hast du gesagt? fragte Matthias und hängte den Kopf übers Kreuzworträtsel. Kleine Krebse. Ratten. Große Hilfe. Vier Buchstaben nur.
Mond.
Mond ist gut. Und was ist mit Schiffsanlegestelle. Ein Wort mit fünf Buchstaben.
Wolke.
Wolke. Passt, ist mir aber zu romantisch. Für dich schreibe ich’s rein. Hier. Niederschlag. Essig!
Elena lachte.
Nichts zu lachen, sagte Matthias. Dank lieber dem da. Er tippte sich an die Stirn. Wir haben die Räterepublik nicht ausgerufen. Das war der Fehler. Lobby und Wandelhalle verputzt und gegliedert, das hast du davon. Willst du weg?
In: Kritische Ausgabe. Zeitschrift für Germanistik und Literatur 1/2002. (Themenheft: Frauen!) Herausgeber: Studentische Kulturgruppe Kritische Ausgabe an der Universität Bonn. Chefredakteur: Marcel Diel.
Vergeben vergessen. Erzählung
[...]
Und die Dinger da am Himmel, frage ich.
Wolken, sagt mein Mann.
Und was so seitlich an mir runterhängt.
Arme, sagt mein Mann.
Arme.
Jetzt geht er und alles wird schlimm. Er wird nicht Wolken und Arme sagen, wenn ich nicht weiß, was am Himmel und was seitlich an mir runterhängt. Niemand wird das was
Was sagtest du? sagst du.
Ja genau! sage ich. Sagen! Niemand wird das mehr sagen, wollte ich
In: Konzepte. Literatur zur Zeit. Nr 21/ 2001. Herausgegeben vom Bundesverband junger Autoren. Redaktion: Martin Gülich, Ulrike Keck, Markus Orths (v.i.S.d.P.), Crauss, Christine Langer.
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Platz nehmen
Sehr geehrte Repräsentanz. Ich möchte mich vorstellen. Ich stelle mich vor. Und uns gleich dazu. Ich möchte uns vorstellen, uns, Jane und Mary, auf der Suche nach einem Job. Man könnte auch sagen, nach Arbeit, nach bezahlter Arbeit in Ihrer Firma, aber wir erschrecken uns selbst vor dieser Penetranz: Wo ist denn unser Arbeitsplatz?! Wir könnten Arbeit sagen, sollten aber nur von Job reden, eingedenk
Vergänglichkeit, und während die Menschen in unsichtbare Häuser verschwinden, vor Bildschirme und hinter Jalousien, bitten wir Sie noch schnell um eine Tätigkeit unter Ihrem herumlaufenden Hauspersonal. Wir haben uns entschieden zu einem persönlichen Brief.
Erschien 2001 in italienischer Übersetzung von Sara Fortuna in der Online-Literaturzeitschrift Lo sciacallo. Herausgegeben von Carola Susani u.a.
Lo sciacallo » (wird z.Zt. überarbeitet)